Schule und Erziehung

Bitter-böse Satire „Es war die Lerche“ begeistert am Gymnasium St. Xaver

Verzweifelt zeigt sich nicht nur Romeo (Christoph Thiele; rechts), sondern zunehmend auch Wiliam Shakespeare (Jasmin Sommer; links) angesichts des völlig anderen Handlungsverlaufs seines Dramas.Bad Driburg, 21.2.2018 Die Vorstellung ist schon bemerkenswert: Was wäre geschehen, wenn Romeo und Julia, eines der berühmtesten Liebespaare in der Literaturgeschichte, nicht so früh gestorben wären, sondern 29 Jahre später immer noch ̶ allerdings spürbar gealtert ̶ in Verona lebten? Genau davon berichtet das Theaterstück „Es war die Lerche“, eine bitter-böse Satire des israelischen Schriftstellers Ephraim Kishon, die von der Theater-Arbeitsgemeinschaft unter Leitung von Dr. Peter Kleine im Rahmen der Kulturwoche am Gymnasium St. Xaver aufgeführt wurde.

Dabei werden die sechs Oberstufenschüler, die die einzelnen Figuren verkörperten, viel Freude an ihren Rollen gehabt haben. Davon zeugte zumindest der Spielwitz, den die Schauspieler während der Premiere am Mittwoch, den 7.2.2018, zeigten: Während sich Romeo, großartig gespielt von Christoph Thiele, trotz eines inniglichen Verhältnisses zu seiner Wärmflasche wenigstens noch annähernd an seine früheren Gefühle für seine Frau erinnern kann, scheint Julia, wunderbar „trocken“ von Julia Wolff verkörpert, größeres Interesse an der morgendlichen Zeitungslektüre als an ihrem Mann zu haben. Lakonisch bedauert sie sogar, nicht vor 29 Jahren gestorben zu sein, sondern seitdem ein Leben an der Seite Romeos fristen zu müssen.

Darüber hinaus sind die beiden mit ihrer pubertierenden Tochter Lucretia geschlagen. Sie wird von Lara Eyers gespielt, die es hervorragend verstand, die erziehungsresistente und kommunikationsblockierende „Lucy“ darzustellen.

Angesichts dieser Familienkrise wird sich Rat bei Pater Lorenzo und Julias alter Amme geholt. Allerdings sind beide aufgrund ihres hohen Alters senil ̶ ein Umstand, den sowohl Jan Wilhelm Lütkemeyer als auch Ramona Thiele mit der nötigen Portion Humor umzusetzen wussten.

Erst mit dem Erscheinen des ebenfalls nicht mehr ganz taufrischen William Shakespeare kommt Bewegung in den tristen Familienalltag: Der berühmte Schriftsteller will Romeo und Julia abermals in den Selbstmord treiben, um sein Werk zu vollenden. Dabei dichtet er unablässig und hebt sich so sprachlich von den übrigen Figuren ab ̶ eine Tatsache, die für viel Schmunzeln im Publikum sorgte, vor allem aber eine enorme Textkenntnis von Jasmin Sommer in ihrer Rolle als Shakespeare erforderte. Sie wurde dieser Aufgabe wie auch die übrigen fünf Schauspieler voll gerecht.

Allein aus diesem Grund lohnt sich ein Besuch des Theaterstücks, das ein weiteres Mal am Sonntag, den 25.2.2018, um 16 Uhr in der Aula des Gymnasiums St. Xaver gezeigt werden wird. Denn es macht einfach Freude, den sechs Oberstufenschülern bei der Umsetzung dieses „heiteren Trauerspiels“ zu zusehen!

 

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