Schule und Erziehung

Gesendet zu Bildung und Verkündigung

Das Erzbistum Paderborn freut sich über 66 neue Religionslehrerinnen und Religionslehrer, die die Missio Canonica erhalten haben und sagen: „Daumen hoch für den Religionsunterricht“.Foto: Thomas Throenle / Erzbistum Paderborn Paderborn, 3.9.2020 (pdp). „Religion“ ist an Schulen in Deutschland ein ordentliches Unterrichtsfach, Lehrerinnen und Lehrer studieren an staatlichen Universitäten Theologie, um das Fach zu unterrichten. Im Erzbistum Paderborn besuchen rund 185.000 katholische Schülerinnen und Schüler an allen Schulformen den Religionsunterricht, wöchentlich werden circa 18.500 Stunden katholischer Religionsunterricht an rund 1.550 Schulen von circa 5.400 katholischen Religionslehrerinnen und Religionslehrern erteilt. Weihbischof Manfred Grothe feierte vormittags und Weihbischof Dr. Dominicus Meier OSB nachmittags jeweils mit einer Gruppe einen Gottesdienst im Hohen Dom. Dabei erhielten insgesamt 66 Lehrerinnen und Lehrern die kirchliche Unterrichtserlaubnis sowie die Missio Canonica, die kirchliche Beauftragung zum Dienst der Verkündigung im katholischen Religionsunterricht.

Religionsunterricht und Religionslehrer

Michelle Matheus unterrichtet Religion und Spanisch am Hermann-Vöchting-Gymnasium in Blomberg. Ihr ist wichtig, im Religionsunterricht christliche Werte zu vermitteln.Foto: Thomas Throenle / Erzbistum Paderborn Michelle Matheus unterrichtet Religion und Spanisch am Hermann-Vöchting-Gymnasium in Blomberg. „Mir ist es wichtig, im Religionsunterricht christliche Werte zu vermitteln und das, was in der Bibel steht, mit dem Leben der Schülerinnen und Schüler in Beziehung zu setzen. Durch diesen Transfer werden die alten Texte der Bibel lebendig und die Schüler sind davon angerührt und bereichert“, ist sich die junge Lehrerin sicher. Es sei für sie schwierig gewesen, während der Corona-Pandemie Religion zu unterrichten, denn für Matheus sind der Dialog und der lebendige Austausch mit den Schülern wichtig. Deshalb habe sie ihre Schüler dazu motiviert, Briefe an Bewohner von Alteneinrichtungen zu schreiben: „So wird Nächstenliebe lebendig und konkret.“ Mit der Verleihung der Missio Canonica habe sie jetzt das Gefühl, „angekommen zu sein“.

Mittelpunkt sind die Schüler

„Die Schülerinnen und Schüler haben den Religionsunterricht während der Corona-Pandemie vermisst“, ist Theresa Heidbreder überzeugt. Sie unterrichtet an der Sekundarschule Brilon die Fächer Englisch und Religion.Thomas Throenle / Erzbistum Paderborn Im Religionsunterricht stünden die Schülerinnen und Schüler im Vordergrund, betont Theresa Heidbreder. Sie unterrichtet an der Sekundarschule Brilon die Fächer Englisch und Religion. Es gebe kein „richtig oder falsch“ im Religionsunterricht, da die Schüler mit ihren Erfahrungen und mit ihrem Leben im Mittelpunkt stehen, ist Heidbreder überzeugt. Ebenso bestätigt sie, dass die Schülerinnen und Schüler während der Corona-Pandemie den Religionsunterricht vermisst haben: „Als wir uns alle wieder getroffen haben, hatten die Schüler einen großen Redebedarf über ihre Erfahrungen zu Hause und die damit verbundenen Herausforderungen. Der Religionsunterricht ist ein guter Raum für diese Gespräche und Gedanken.“

Dennis Janyska unterrichtet Religion am Gymnasium der Stadt Lage. Er hat selbst gute Erfahrungen mit seinen Religionslehrern gemacht. Aus der Hand von Weihbischof Manfred Grothe erhielt Janyska die Missio Canonica. Im Hintergrund: Dompropst Monsignore Joachim Göbel, Leiter des Bereichs Schule und Hochschule im Erzbischöflichen Generalvikariat.Thomas Throenle / Erzbistum Paderborn Dennis Janyska schätzt am Religionsunterricht, dass er nah am Menschen ist, eine vertrauensvolle Beziehung zwischen Schüler und Lehrer bestehe und man einander kenne. Er unterrichtet Deutsch und Religion am Gymnasium der Stadt Lage. Er selbst habe gute Erfahrungen mit seinen Religionslehrern gemacht und diese wolle er als Lehrer weitergeben im eigenen Unterricht. „Ich schätze es, dass es keine zu strikten Vorgaben gibt für den Religionsunterricht, dass ich in der Unterrichts- und Themengestaltung freier bin und mehr auf die Bedürfnisse der Schüler eingehen kann“, so Janyska. Dass er nun die Missio Canonica erhalten hat, erinnere ihn daran, dass er einen Auftrag und eine Sendung als Religionslehrer habe.

Kraftquelle und Herzensanliegen

„Die Missio Canonica macht mir bewusst, dass ich im Dienst der Kirche stehe. Ich habe den Auftrag, Religion zu unterrichten, Gottesdienste zu feiern, den Glauben zu verkünden“, sagt Julia Anna Sutorma. Aus der Hand von Weihbischof Dr. Dominicus Meier OSB erhielt die Lehrerin der Friedrich-Kayser-Schule Schwerte ihre Missio-Urkunde.Thomas Throenle / Erzbistum Paderborn Julia Anna Sutorma ist Lehrerin an der Friedrich-Kayser-Schule Schwerte. „Mir ist wichtig, Religion aktiv zu leben, ich nehme den Glauben als Bereicherung für mein persönliches Leben wahr. Ich möchte den Schülerinnen und Schülern zeigen, dass auch sie den Glauben als Kraftquelle für ihr Leben nutzen können“, sagt die Grundschullehrerin. Auch Sutorma weiß, dass ihre Schüler den Religionsunterricht während der Corona-Pandemie vermisst haben, denn der Unterricht in diesem Fach lasse sie zur Ruhe kommen und schenke ihnen Raum, über Gefühle, Ängste und Hoffnungen zu sprechen, ihre eigenen Fragen zu stellen. „Religionsunterricht findet abseits von Leistungsdruck statt und bietet Raum zur Entfaltung“, macht Sutorma klar. „Die Missio Canonica macht mir bewusst, dass ich im Dienst der Kirche stehe. Ich habe den Auftrag, Religion zu unterrichten, Gottesdienste zu feiern, den Glauben zu verkünden.“

Christian Ohm-Bender ist Religionsunterricht ein „Herzensanliegen“. Der Lehrer der vom Erzbistum Paderborn getragenen St.-Ursula-Realschule in Attendorn freut sich, dass er durch die Missio Canonica nun offiziell beauftragt ist zum Religionsunterricht.Thomas Throenle / Erzbistum Paderborn Christian Ohm-Bender ist Lehrer an der vom Erzbistum Paderborn getragenen St.-Ursula-Realschule in Attendorn. „Ich biete im Religionsunterricht den Schülern Raum für Themen, die sonst im Alltag der Schule nicht vorkommen. Mir ist es wichtig, dass die Schüler sich öffnen können in einer vertrauensvollen Atmosphäre. Insbesondere in kleineren Gruppen geschieht dies und die Schüler bringen ihre eigenen Fragen ein“, beschreibt Ohm-Bender seinen Religionsunterricht. Er fährt fort: „Religionsunterricht ist für mich ein Herzensanliegen. Ich freue mich, dass ich durch die Missio Canonica nun offiziell beauftragt bin.“

Gottesdienste mit Weihbischof Grothe und Weihbischof Dominicus

Ein „wahrer Realist“ sei nicht jener Mensch, der lediglich das mit den fünf menschlichen Sinnen erfassbare, das Mess- und Berechenbare als „wirklich und real“ erkenne, betonte Weihbischof Manfred Grothe in seiner Predigt im Gottesdienst mit den Religionslehrerinnen und Religionslehrern am Vormittag. Vielmehr sei ein wahrer Realist jener, der auch die verborgene Wirklichkeit sehe, das Sichtbare und das Unsichtbare, die Erde und den Himmel. „Der wahre Realist ist der, der an Gott glaubt“, unterstrich Weihbischof Grothe. Zu den Religionslehrerinnen und Religionslehrern sagte der emeritierte Weihbischof in Paderborn: „Möge Ihr Sprechen von Gott dazu führen, dass Ihre Schülerinnen und Schüler viel über Gott erfahren, über ihn, der die eigentliche Wirklichkeit ist und alle Wirklichkeit und Realität trägt, der die ganze Schöpfung zur Vollendung führen will.“

Der Religionsunterricht sei ein wichtiger Dienst an den Schülerinnen und Schülern, stellte Weihbischof Grothe weiter heraus. Er helfe ihnen, wahre Realisten zu sein, nämlich die ganze Wirklichkeit im Blick zu haben. „Mögen Ihre Schülerinnen und Schüler durch Ihr Zeugnis fähig werden, in eine lebendige Beziehung zu Gott einzutreten und ihn zu lieben. Denn eine solche Gottesbeziehung trägt unser Leben, durch sie findet unser Leben seine Vollendung in der Ewigkeit. Möge Gott Ihren Dienst segnen!“, sagte Weihbischof Grothe zum Abschluss.

Missionarisch Kirche sein

Weihbischof Dr. Dominicus Meier OSB sagte in seiner Predigt im Gottesdienst am Nachmittag, dass es zum Beruf der Religionslehrerinnen und Religionslehrer gehöre, von Gott und von seinem zugewandten Handeln an den Menschen zu sprechen. Wichtig sei ein engagiertes, missionarisches Eintreten für die frohmachende Botschaft Jesu Christi. „Die jungen Menschen an den verschiedenen Schulformen fragen nach Wegbegleitern, die mit ihnen Lebens- und Glaubensfragen stellen, nach verständlichen Antworten suchen und vor allem aber nach Menschen, die authentisch ihren Glauben leben“, betonte Weihbischof Dominicus.
„Jede und jeder von Ihnen hat einen missionarischen Auftrag für die Schülerinnen und Schüler, die Eltern und das Kollegium an den Schulen“, sagte Weihbischof Dominicus zu den Religionslehrerinnen und Religionslehrern. Er wünsche, dass sie von Gott ermutigt, geführt und geleitet werden. „Arbeiten wir gemeinsam an diesem einen Auftrag von Kirche: missionarisch zu sein und von Gott zu sprechen!“

Übergabe und Sendung

In zwei Gruppen feierten die Religionslehrerinnen und Religionslehrer Gottesdienst im Paderborner Dom. Hier erhielten sie die Missio Canonica und damit die Sendung, Religionsunterricht zu erteilen.Thomas Throenle / Erzbistum Paderborn. Aufgrund der Corona-Pandemie und der erforderlichen Schutzmaßnahmen fand die Übergabe der kirchlichen Unterrichtserlaubnis sowie der Missio Canonica in zwei getrennten Gruppen zeitversetzt am Vormittag und am Nachmittag statt: Beide Gruppen wurden von Dompropst Monsignore Joachim Göbel als Leiter des Bereichs Schule und Hochschule im Erzbischöflichen Generalvikariat begrüßt. Im jeweiligen Gottesdienst traten die Lehrerinnen und Lehrer vor den Weihbischof und erhielten aus seiner Hand die entsprechende Missio-Urkunde und die damit verbundene kirchliche Sendung zum Religionsunterricht.

Dompropst Monsignore Joachim Göbel betonte, er sei dankbar, dass nach dem Corona-Lockdown Religion nun wieder – wie jedes andere Fach aus der Stundentafel – an allen Schulen in Nordrhein-Westfalen unterrichtet werde. Der Gewinn des regelmäßigen Religionsunterrichts sei insbesondere in Zeiten der Verunsicherung und der Krise für Schülerinnen und Schüler hoch. Dieser „Mehrwert des Religionsunterrichts“ dürfe nicht durch andere Zwänge, beispielsweise durch den Mangel an Lehrkräften für den Unterricht in anderen Fächern, beeinflusst werden.

Begegnung und Vernetzung

Auf dem Programm der jeweiligen Veranstaltung standen ein schulformbezogener Austausch und die Vorstellung der durch das Erzbistum Paderborn bereitgestellten Unterstützung für den Religionsunterricht. Dabei hatten die Teilnehmenden die Gelegenheit, mit Katrin Holthaus (Grundschule, Förderschule), Alexander Schmidt (Sekundarstufe I), Dr. Stefan Klug (Gymnasium, Gesamtschule) sowie Dr. Siegfried Meier (Berufskolleg) die schulformspezifischen Referentinnen und Referenten der Religionspädagogik im Erzbischöflichen Generalvikariat und die geplanten Fortbildungsangebote kennenzulernen.

Missio Canonica

Aus der Kompetenz der Kirche für den Inhalt des Religionsunterrichts ergibt sich die Notwendigkeit einer kirchlichen Beauftragung eines Religionslehrers. Religionslehrer leisten einen Dienst für die Kirche, die Gesellschaft und für die heranwachsende Generation: Sie stehen mit ihrer Person für den Glauben der Kirche und werden in der Schule als Repräsentanten des christlichen Glaubens und der Kirche angesehen und angesprochen.
Religionslehrerinnen und Religionslehrer sind Brückenbauer zwischen Kirche und Schule. Eine Berufstätigkeit als Religionslehrkraft setzt neben der theologischen und pädagogischen Befähigung die volle Eingliederung und aktive Mitgliedschaft in der Katholischen Kirche voraus.

Katholische Schulen in freier Trägerschaft

Es gibt im Erzbistum Paderborn 46 Katholische Schulen in freier Trägerschaft mit circa 23.600 Schülerinnen und Schülern und rund 1.900 Lehrerinnen und Lehrern. Von diesen finden sich 20 Katholische Schulen in Trägerschaft des Erzbistums Paderborn. Diese werden von circa 12.200 Schülerinnen und Schülern besucht, circa 900 Lehrerinnen und Lehrer unterrichten an den vom Erzbistum Paderborn getragenen Schulen. Das Erzbistum Paderborn ist Träger von neun Gymnasien, sieben Realschulen, drei Berufskollegs, einer Grundschule und zwei Bündelschulen (Werl: Gymnasium und Realschule; Brakel: Gymnasium, Realschule, Berufskolleg).

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