Schule und Erziehung

"Alles was Recht ist..." - Thema Schulgottesdienste

Paderborn, 7.9.2010 Täglich erreichen uns Anfragen aus dem schulischen und kirchlichen Bereich zur rechtlichen Bewertung von Konfliktsituationen, insbesondere im Hinblick auf die Erteilung des Religionsunterrichts, der Durchführung der Schulpastoral und der Organisation der öffentlichen Bekenntnisschulen.

Gerade in der zunehmend multireligiösen Schule schafft Rechtssicherheit wichtige Voraussetzungen für das notwendige konstruktive Miteinander von Lehrern, Eltern, Schülern und kirchlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Ausgehend von konkreten „Fällen“ sollen daher zukünftig an dieser Stelle praxisorientierte Informationen zu den Rechtsgrundlagen des Handlungsfelds „Kirche und Schule“ angeboten werden.

Die Gestaltung der Schule gelingt allerdings sicher nicht durch „Rechthaberei“, sondern braucht respektvolle und wertschätzende Kommunikation aller Beteiligten. Wir würden uns freuen, wenn wir dazu durch diese neue Reihe einen kleinen Beitrag leisten können.

Häufigkeit von Schulgottesdiensten

Die neue Schulleiterin stellt bei Amtsantritt fest, dass an ihrer dreizügigen Gemeinschaftsgrundschule mit 60% katholischer Schülerschaft traditionell alle zwei Wochen für die Jahrgangsstufen 3 und 4 ein Schulgottesdienst in der benachbarten katholische Kirche stattfindet, und zwar jeweils abwechselnd donnerstags in der ersten Stunde. Es handelt sich überwiegend um ökumenische Wortgottesdienste, die meist vom katholischen Vikar, gelegentlich auch von einer Religionslehrerin geleitet werden. Nach der Erstkommunion gibt es auch die eine oder andere Eucharistiefeier. Alle Kinder der jeweiligen Jahrgangsstufen nehmen im Regelfall teil; sie werden beaufsichtigt von evangelischen und katholischen Religionslehrkräften.

Die Schulleiterin findet persönlich diese vielen Schulgottesdienste in der katholischen Kirche für eine Gemeinschaftsschule nicht mehr zeitgemäß. Sie verweist insbesondere auch auf die steigende Zahl von nichtchristlichen Kinder, die bald ein Drittel der Schülerschaft ausmachen. Sie moniert zudem auch, dass regelmäßig Religionsunterricht wegen des Schulgottesdienstes nicht erteilt wird.

Als die sehr aktive katholische Religionslehrerin, die bisher maßgeblich an der Gottesdienstvorbereitung beteiligt war, in den Ruhestand geht und keine Nachfolge in Sicht ist, wird die Fortsetzung der Schulgottesdienstpraxis in der bisherigen Form auch im Kollegium in Frage gestellt.

In der nächsten Sitzung der Schulkonferenz wird beschlossen, Schulgottesdienste nur noch zum Schuljahresanfang und –ende durchzuführen, und zwar in der Schule, nicht mehr in der Kirche. Der katholische Vikar wird telefonisch über diesen Beschluss unterrichtet.

Fragen:

- Wer entscheidet über das Angebot von Schulgottesdienste? Funktion der Mitwirkungsgremien? Zusammenarbeit Kirche/Schule?

- wie oft, wann und wo können Schulgottesdienste stattfinden?

- Verhältnis: (Religions-) Unterricht - Schulgottesdienst?

Rechtsgrundlagen:

1. Schulgottesdienst (BASS 14-16 Nr.1), RdErl. d. Kultusministeriums v. 13. 4. 1965

2. Sicherung und Gestaltung von Schulgottesdiensten, Amtl. Schulblatt der Bezirksregierung Arnsberg 1992, S. 29; (ebenso: Bez. Reg. Detmold 4. 8. 1992),

Stellungnahme (Zitate beziehen sich auf o. g. Rechtsquellen):

- Die o. g. Rechtsrundlagen regeln für alle Schulformen eindeutig, dass Schulgottesdienste als Schulveranstaltungen „nicht zur Disposition der Schule oder einzelner Mitwirkungsgremien stehen“; die Schulen und ihre Gremien können folglich nur über das „wie“, nicht aber über das „ob“ von Schulgottesdiensten beraten und beschließen. Selbstverständlich (auch wenn in den o. g. Rechtsquellen nicht erwähnt) ist im Rahmen der grundgesetzlich geschützten Religionsfreiheit gewährleistet, dass die Teilnahme an Schulgottesdiensten freiwillig ist.

- Schulgottesdienste dürfen bis zu „einmal wöchentlich“ stattfinden. Kirchliche Ansprüche auf eine bestimmte Anzahl bestehen dagegen nicht; dies sollte gemeinsam, z.B. auch in der Schulkonferenz, geplant und beraten werden. Es ist sicher kein guter Stil, wenn eine Seite vor vollendete Tatsachen gestellt wird. „Der Schulleiter legt die Zeiten für die Schulgottesdienste nach Fühlungnahme mit den Religionslehrern und im Einvernehmen mit den zuständigen kirchlichen Stellen fest“. Die Verfügungen von 1992 weisen besonders darauf hin, dass „wichtig für das Gelingen von Schulgottesdiensten“ auch ihre Regelmäßigkeit ist. Der Schulgottesdienst „erscheint in der Regel als eine erste Stunde im Stundenplan.“ Als Ort für Schulgottesdienste, die unterschiedliche Formen haben können, kommen sowohl kirchliche als auch geeignete schulische Räume in Betracht; auch hierüber ist das gegenseitige Einvernehmen herzustellen.

- „Der Schulgottesdienst wird auf die durch die Stundentafeln vorgeschriebene Zahl der Unterrichtsstunden in Religionslehre nicht angerechnet.“ Es ist daher grundsätzlich unzulässig, den Religionsunterricht wegen des Schulgottesdienstes zu kürzen oder gar ausfallen zu lassen. Dies gilt auch für jeden anderen Fachunterricht. Umgekehrt „ist es auch nicht zulässig, für eine Klasse oder einen Kurs in der Stunde Unterricht durchzuführen, in der für diese Jahrgangsstufe Schulgottesdienst angesetzt ist.“

Die Verfügungen von 1992 weisen zu Recht darauf hin, dass Schulgottesdienste nicht als im primären Interesse der Kirchen liegend erachtet werden sollten; vielmehr können „Schulgottesdienste, zu denen Eltern, Lehrer, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Schule sowie deren Familienangehörige eingeladen werden, einen wesentlichen Beitrag zum Konzept „Öffnung von Schule“ leisten; viele Schulen haben sie auch im Schulprogramm festgeschrieben.

Aufgrund der besonderen kirchlichen Ausrichtung von Bekenntnisschulen haben Schulgottesdienste dort einen höheren rechtlichen Stellenwert.

Alle Rechtsgrundlagen für Kirche und Schule finden Sie auf schuleunderziehung.de/Religionsunterricht/Rechtsgrundlagen

Weitere Auskünfte:

Roland Gottwald, Schulrat i.K.
Hauptabteilung Schule und Erziehung
Domplatz 15 (Konrad-Martin-Haus)
33098 Paderborn
0 52 51/ 125-1217
roland.gottwald@erzbistum-paderborn.de

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